Herzog Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel

In Gedenken an seinen gewaltsamen Tod wurde das "Kaiserkreuz" in Kleinenglis errichtet.

Wer war der Herzog?

Herzog Magnus II. (mit der Kette) und seine Frau Catharina hatten neun Kinder, fünf Töchter und vier Söhne. Friedrich war als ältester der Söhne 1363 geboren. Sein Vater, Herzog von Braunschweig, verlor am 25. Juli 1373, in der Schlacht bei Leveste am Deister ( Höhenzug südwestlich Hannover), sein Leben. Nach dem Tod des Vaters übernahm als nächster Agnat (Blutsverwandter) der Onkel Friedrichs, Otto der Quade von Braunschweig-Göttingen die Vormundschaft über die vier unmündigen Söhne des Herzog Magnus. Die Mutter Catharina, eine geborene Prinzessin von Anhalt, erreichte durch geschickte Politik, dass ihre Söhne den Anspruch auf das väterliche Erbe des Fürstentums Lüneburg behielten. Sie vermählte sich in zweiter Ehe mit dem Herzog Albrecht von Sachsen und Lüneburg, welcher ebenfalls Anspruch auf Lüneburg erhob. Es wurde festgelegt, dass die Söhne Friedrich und Bernhard sich mit den Töchtern des Kurfürsten Wenzel von Sachsen vermählen sollten. Im Jahr 1374 wurde ein Vergleich geschlossen, wonach der älteste der Brüder, Friedrich, Regent der Braunschweiger Lande werden sollte. Bernhard und Heinrich sollten die Regentschaft in Lüneburg übernehmen. Otto wurde Priester und später Bischof in Bremen.

Es war kein freudevolles Leben welches Friedrich in seiner Jugend führte. Otto der Quade setzte alles daran, die nach Unabhängigkeit strebende Stadt Braunschweig sich untertänig zu machen, was zu Aufruhr in der Stadt führte. Die Hanse verhängte den Bann über die Stadt, entzog ihr das Stapelrecht und beschlagnahmte auswärts lagernde Güter der Stadt. Der Handel kam so zum Erliegen. Tief ergriffen von dem Schicksal, welches auf seiner Stadt lastete verabredete Friedrich, als rechtmäßiger Herrscher, in geheimen Verhandlungen mit dem Rat der Stadt eine List. In einer handstreichartigen Aktion im Jahr 1381 befreite er Braunschweig von dem Joch seines eigenen Onkels und Vormunds.

Im Jahr 1386 heiratete er verabredungsgemäß Prinzessin Anna von Sachsen, eine Schwester des Kurfürsten Rudolf von Sachsen. Aus der Ehe gingen zwei Töchter, Elisabeth und Anna hervor.

Der Vertrag von Uelzen am 15. Juni 1388 bringt den Verzicht der sächsischen Herzöge auf die Herrschaft Lüneburg und den beiden Brüdern von Friedrich, Bernhard und Heinrich den endgültigen Besitz der Herrschaft.

Die Strenge mit welcher Friedrich das Recht ausübte und über die Einhaltung des Landfriedens wachte, seine Tatkraft und Umsicht, die Ritterlichkeit seines ganzen Wesens, dabei die Milde und Leutseligkeit, welche ihn vor vielen Zeitgenossen auszeichnete, machte seinen Namen auf der einen Seite geachtet, aber auch gefürchtet, während auf der anderen Stifter und Städte auch solche des Auslandes (außerhalb vom Herzogtum Braunschweig), sich um seine Gunst bewarben. Die Städte der Altmark, die Bürger der freien Reichsstädte Mühlhausen, Goslar, Nordhausen, auch die Bewohner von Erfurt hatten sich in seinen Schutz begeben und die Dompropstei zu Hildesheim wie das Stift Gandersheim hatten ihm die Wahrung der Rechte übertragen. Wen wundert es da, dass er am 26. Mai 1400 zu den Beratungen der deutschen Kurfürsten

nach Frankfurt eingeladen wurde um einen Nachfolgekandidaten für den noch amtierenden deutschen König Wenzel zu bestimmen. Zusammen mit seinem Schwager, Kurfürst Rudolf III. von Sachsen und großen Gefolge reiste er nach Frankfurt. Ungereimtheiten beim Auswahlverfahren des Kandidaten waren offenbar der Grund für die vorzeitige Abreise vom Fürstentag. Man brach spätestens am Morgen des 3. Juni 1400 in Frankfurt auf. Am Pfingstsonnabend, den 05.Juni in den Mittagsstunden, als sie "das Vlachfeld bei dem Dorfe Kleinen Englis unweit Fritzlar" durchzogen hatten, wurden sie plötzlich von dem jungen Graf Heinrich VII. von Waldeck und einer großen Zahl Bewaffneter überfallen. Im Kampf wurde Herzog Friedrich durch den Ritter Friedrich von Hertinghausen ermordet.

Sein Leichnam wurde im Fritzlarer Dom aufgebahrt von wo aus er durch die Braunschweiger heimgeholt wurde. Nach Einbalsamierung des Leichnams im Kloster Wiebrechtshausen (bei Northeim) wurden seine Eingeweide, wie damals durchaus üblich, in der dortigen Klosterkirche,

neben dem Grabmal seines Vormundes und Onkels Otto dem Quaden beigesetzt. Sein Korpus wurde nach Braunschweig überführt und in dem, von Heinrich dem Löwen erbauten, St. Blasi Dom beigesetzt. Im Jahr 1707 wurden die Gebeine einer Anzahl von Welfenfürsten im nördlichen Querschiff des Domes, in der Welfentumba zusammengeführt. Auf der Bronzeplatte ist neben anderen Hinweisen auf die hier bestatteten Gebeine von Welfenfürsten auch die lateinische Inschrift:

Hinc abnepos Fridericus, Imperator electus,

Quem ne imperaret (heu nefas) Electorum unos occidi fecit

MCCCC

zu lesen die bis zum heutigen Tag auf den Bestattungsort der Gebeine des Herzogs Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel aufmerksam macht. Die sinngemäße Übersetzung lautet: ,Jm Jahr 1400 war eine Versammlung der Kurfürsten in Frankfurt wegen der Wahl eines Kaisers und die meisten Stimmen fielen auf den Herzog Friedrich von Braunschweig; wegen eines Widerspruches des Mainzer Bischofs (ist man) in Feindschaft auseinander gegangen und Herzog Friedrich ist trotz guten, sicheren Geleits bei Fritzlar erstochen und im Dom zu Braunschweig begraben (worden) ".

Friedrichs Frau Anna heiratete in zweiter Ehe 1404 den Landgrafen Balthasar von Thüringen und starb am 18.04.1426. Seine älteste Tochter Elisabeth vermählte sich mit dem Grafen Heinrich von Schwarzburg und starb 1439. Tochter Anna vermählte sich mit Herzog Friedrich dem Älteren von Österreich-Tirol und verstarb 1432.

Offenbar ging man seinerzeit in Braunschweig davon aus, dass Friedrich bereits zum deutschen Kaiser gewählt war, was natürlich, wie man heute weiß, nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Bisher gibt es auch noch keine sichere Quelle die seine vermutete Kandidatur zum Nachfolger des amtierenden deutschen Königs Wenzel bestätigt. "Kaiser" gar, durfte sich nur der deutsche König nennen, im heiligen römischen Reich deutscher Nationen, der vom Papst in Rom gekrönt worden war. Aber vielleicht trug die Tatsache, dass man in Friedrich einen der möglichen Kandidaten für die Nachfolge König Wenzels sah, dazu bei, dass das Steinkreuz welches nach seinem Tode in Kleinenglis errichtet wurde im Volksmund als "Kaiserkreuz" und nicht als "Herzogskreuz" bezeichnet wurde. Die gotische Inschrift des Kreuzes ist bis zum heutigen Tag noch nicht zweifelsfrei gedeutet.